Aus der Geschichte des Bundes der Vertriebenen
 
 
 
1944-1950
Durch Flucht und Vertreibung verlieren 12,5 Millionen Menschen aus Ostdeutschland, dem Sudetenland und den südosteuropäischen Siedlungsgebieten ihre Heimat, von denen bis 1950 7,9 Millionen in Westdeutschland und 4,065 Millionen in Mitteldeutschland Aufnahme finden.
 
1946-1947
Erste Organisationsansätze der Vertriebenen in Westdeutschland werden von den alliierten Militärregierungen unterbunden; faktisches Koalitionsverbot.
 
09.4.1949
Zusammenschluss der auf Länderebene organisierten interessenpolitischen Vertriebenenverbände zum "Zentralverband der vertriebenen Deutschen" (ZvD) unter Linus Kather.
 
24.8.1949
Zusammenschluss der auf Bundesebene organisierten heimatpolitischen Verbände zu den "Vereinigten Ostdeutschen Landsmannschaften" (VOL) unter Rudolf Lodgman von Auen.
 
20.11.1949
"Göttinger Abkommen", in dem die VOL und der ZvD ihre Tätigkeitsfelder im Sinne einer Arbeitsteilung abgrenzen
 
5.8.1950
Unterzeichnung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen; Auftakt zum ersten "Tag der Heimat".
 
18.11.1951
Gründung des Bundes der Vertriebenen Deutschen (BvD), in dem der ZvD aufgeht.
 
18.8.1952
Nach Beitritt weiterer Landsmannschaften und Straffung der Organisation werden die VOL in den "Verband der Landsmannschaften" (VdL) überführt.
 
27.10.1957
Gründung des Bundes der Vertriebenen - Vereinigte Landsmannschaften und Landesverbände (BdV). Gleichberechtigte Vorsitzende sind: Dr. Georg Baron Manteuffel-Szoege (VdL) und Dr. Linus Kather (BvD).
 
14.12.1958
Endgültige Konstituierung des BdV in Berlin. Erster Präsident wird Hans Krüger MdB; VdL und BvD lösen sich im Juli 1959 auf.
 
16.10.1963
Hans Krüger wird zum Bundesvertriebenenminister berufen und legt sein Amt als BdV-Präsident nieder.
 
01.2.1964
Wenzel Jaksch MdB, vor dem Krieg Führer der sudetendeutschen Sozialdemokraten, wird zum neuen BdV-Präsidenten gewählt. Er verunglückt am 27.11.1966 tödlich.
12.3.1967
Reinhold Rehs MdB, Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, wird zum BdV-Präsidenten gewählt.
 
15.3.1970
Die BdV-Bundesversammlung wählt Dr. Herbert Czaja MdB, Sprecher der Landsmannschaft der Oberschlesier, zum Nachfolger des nicht wieder kandidierenden Präsidenten Rehs.
29.6.1991
Die zwischen November 1990 und Juni 1991 gegründeten fünf mittel-deutschen Landesverbände werden in den BdV aufgenommen.
 
23.4.1994
Die BdV-Bundesversammlung wählt in Berlin Dr. Fritz Wittmann MdB, den langjährigen Vorsitzenden des BdV-Landesverbandes Bayern, zum neuen Präsidenten; Dr. Herbert Czaja wird zum Ehrenpräsidenten berufen.

2.5.1998
Die BdV-Bundesversammlung wählt Erika Steinbach MdB, zur neuen Präsidentin. Damit wird erstmals in der Geschichte der Bund der Vertriebenen von einer Frau geführt.

 
Der Bund der Vertriebenen
 
 
 
Der Bund der Vertriebenen (BdV) ist der Dachverband der deutschen Vertriebenenverbände in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Er erhebt den Anspruch, die Interessen der von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung betroffenen Deutschen, unabhängig von einer Mitgliedschaft, wahrzunehmen. Präsidentin des BdV ist seit 1998 die Politikerin Erika Steinbach (CDU).
 
Aufbau und Mitglieder
 
Der BdV ist zweigliedrig in 21 Landsmannschaften, welche die Herkunftgebiete der Vertriebenen repräsentieren, und in 16 Landesverbände für die Bundesländer organisiert. In den einzelnen Verbänden des Bundes sind (nach eigenen Angaben) rund zwei Millionen Mitglieder organisiert. Dabei ist es jedoch keineswegs notwendig, Opfer von Vertreibung zu sein, um Mitglied in einem Vertriebenenverband zu werden. Auch Nachkömmlinge und Ehepartner von Nachkömmlingen können einem Vertriebenenverband beitreten. Weiterhin befasst sich der Bund mit der Betreuung von Aussiedlern und Spätaussiedlern.
Die Position des BdV unter den Vertriebenen ist relativ schwach. Schon 1965 gehörte nur knapp ein Prozent der Vertriebenen einer Landsmannschaft des BdV an. Als die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition in den siebziger Jahren nicht mehr auf Konfrontation, sondern auf Aussöhnung mit den Ländern Osteuropa setzte, nahm die Bedeutung des BdV weiter ab.
 
Geschichte
Die Vorgänger-Organisationen des Bundes der Vertriebenen verabschiedeten am 5. August 1950 die Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Diese wurde am 6. August 1950 vor dem Stuttgarter Schloss feierlich verkündet und gilt als Grundgesetz der deutschen Heimatvertriebenen und als erste Veranstaltung des seither jährlich als Gedenktag begangenen Tages der Heimat.
Der BdV selbst entstand am 27. Oktober 1957 durch den Zusammenschluss des „Verbands der Landsmannschaften" (VdL) und des „Bundes der vertriebenen Deutschen" (BVD). Während der BVD sich eher als politisches Kampforgan der Vertriebenen zur Wiedererlangung der alten Heimat sah, war der VdL eher auf die kulturellen und sozialen Fragen der Vertriebenen orientiert. Dies führte in den Anfangsjahren zu mancherlei heftiger Auseinandersetzung im neuen Verband.
Der BdV war in seiner Anfangszeit parteipolitisch neutral; als Präsidenten wurden zunächst Georg Baron Manteuffel-Szoege (CSU, VdL) und Linus Kather (GB/BHE) als gleichberechtigte Vorsitzende (1957–1959) gewählt. Auf den CDU-Abgeordneten Hans Krüger (1959–1963) folgten der sudetendeutsche Sozialdemokrat Wenzel Jaksch (1964–1966) und der SPD-Abgeordnete Reinhold Rehs (1967–1970). Ende der 60er Jahre kam es zum Bruch mit der SPD wegen der von ihr angestrebten Aussöhnung mit dem Osten, die vom BdV „Verzichtspolitik“ genannt wurde. Rehs und der langjährige Vizepräsident Herbert Hupka wechselten zur CDU. Der KSZE-Prozess, bei dem Abrüstungsgarantien des Westens und Zusagen hinsichtlich der Menschenrechte im Osten verhandelt wurden, wurden vom BdV und seinen politischen Verbündeten als Preisgabe nationaler Interessen gebranntmarkt. Als nach dem Ende der sozialliberalen Koalition Helmut Kohl Bundeskanzler wurde, setzte er diese Ostpolitik zur Enttäuschung von Herbert Czaja fort, der von 1970 bis 1994 Präsident des BdV war. Bis zuletzt setzte der BdV dem Zwei-plus-Vier-Vertrag, der die endgültige Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze bedeutete, Widerstand entgegen. Von 1994 bis 1998 war das CSU-Mitglied Fritz Wittmann Präsident des BdV. Die Osterweiterung der EU im Jahre 2004 berührte wieder die Interessen des BDV. Seit 1998 ist die CDU-Politikerin Erika Steinbach Präsidentin. Sie bemühte sich erfolglos, die Osterweiterung mit der Bedingung zu verknüpfen, dass die Beneš-Dekrete aufgehoben werden müssten. Im Bundestag votierte sie gegen den Beitritt Polens und der Tschechischen Republik.
Am 6. September 2000 gründete der BdV die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen, die die Errichtung eines Dokumentationszentrums über Vertreibungen in Berlin zum Ziel hat. Eine erste Ausstellung fand vom 11. August bis 29. Oktober 2006 unter dem Namen „Erzwungene Wege“ im Kronprinzenpalais in Berlin statt. Der Initiative für dieses Dokumentationszentrum schlägt vor allem in Polen großes Mißtrauen entgegen.
Der Einsatz der Vertriebenen und ihrer Verbände für Frieden, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Völkerverständigung wurde wiederholt von den höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt. Am 2. September 2006 hielt der Bundespräsident Horst Köhler die Festansprache zum „Tag der Heimat“.
 

 
Präsidenten des BdV
 
 
 
Georg Baron Manteuffel-Szoege
 
Georg Baron Manteuffel-Szoege (* 7. März 1889 in Montreux (Schweiz); † 8. Juni 1962 in Bad Godesberg) war ein deutscher Politiker der CSU.
 
Linus Kather
 
(* 22. September 1893 in Prossitten/Ermland, † 10. März 1983 in Stühlingen) war ein deutscher Politiker (CDU, ab 1954 GB/BHE, später NPD)
 
Hans Krüger
 
( * 6. Juli 1902 in Neustettin / Hinterpommern; † 3. November 1971 in Bonn) war ein deutscher Politiker (CDU). Er war von 1963 bis 1964 Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte.
 
Wenzel Jaksch
 
(* 25. September 1896 in Langstrobnitz, Böhmen, † 27. November 1966 in Wiesbaden) war ein sudetendeutscher sozialdemokratischer Politiker.
 
Reinhold Rehs
 
(* 12. Oktober 1901 in Klinthenen, Kreis Gerdauen; † 4. Dezember 1972 in Kiel) war ein deutscher Politiker (SPD, später CDU).
 
Herbert Czaja
 
(* 5. November 1914 in Teschen (Österreichisch Schlesien); † 18. April 1997 in Stuttgart) war ein deutscher Politiker (CDU).
Er war von 1970 bis 1994 Präsident des Bundes der Vertriebenen.
 
Fritz Wittmann
 
 (* 21. März 1933 in Plan bei Marienbad, Tschechoslowakei) ist ein deutscher Jurist und Politiker (CSU).
 
 
 
 
Erika Steinbach           
 
 
 
Erika Steinbach (* 25. Juli 1943 in Rahmel, Danzig-Westpreußen) ist eine deutsche Politikerin (CDU). Sie ist seit 1990 Mitglied des Bundestages und seit 1998 Präsidentin des Bundes der Vertriebenen.
Sie ist Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe und seit November 2005 Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Seit 2000 ist sie Mitglied im CDU-Bundesvorstand.
Leben
Erika Steinbach ist die Tochter eines aus Schlesien stammenden Luftwaffenfeldwebels, der in Hanau geboren wurde und als Unteroffizier der Wehrmacht im seit dem Überfall auf Polen besetzten Rahmel stationiert war. Ihre Mutter, Angestellte, stammt aus Bremen. Im Januar 1945 flüchtete die Mutter mit Erika Steinbach und ihrer drei Monate alten Schwester aus Rahmel nach Schleswig-Holstein, wo sie bis 1948 auf Bauernhöfen in Kleinjörl, Großjörl und Stieglund lebten. Von 1948 bis 1950 lebte die Familie in Berlin und ab 1950 wuchs Erika Steinbach in Hanau auf.
Nach privatem Musikstudium (Geige) und Orchesterkonzerten war sie von 1970 bis 1977 als Diplom-Verwaltungswirtin und Informatikerin beim Kommunalen Gebietsrechenzentrum Frankfurt am Main angestellt, für das sie ab 1974 als Projektleiterin die Automatisierung der Bibliotheken in Hessen verantwortete. Seit 1974 ist sie Mitglied der CDU. Von 1977 bis 1990 war sie Stadtverordnete und Fraktionsassistentin der CDU-Stadtverordnetenfraktion in Frankfurt, wo sie als Ziehtochter von Alfred Dregger rasch Karriere machte und sich am rechten Rand der CDU profilierte.[1] 1990 wurde sie im Wahlkreis 140 (Frankfurt am Main III) direkt in den Deutschen Bundestag gewählt und ist seit 2000 Mitglied des Bundesvorstands ihrer Partei. Sie war Mitglied des Bundesvorstandes der Landsmannschaft Westpreußen und ist Mitglied des ZDF-Fernsehrates, sowie seit 1994 Mitglied des Goethe-Instituts.
Eines ihrer politischen Ziele ist die Errichtung eines Zentrums gegen Vertreibungen in Berlin, das auch dem Schicksal der deutschen Vertriebenen gewidmet sein soll; sie ist (bis August 2005 gemeinsam mit Peter Glotz) die Vorsitzende der zu diesem Zweck im September 2000 gegründeten Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“.
Nach anhaltender kritischer Berichterstattung ist sie heute in Polen weit bekannter als in Deutschland. Die polnische Kritik an Steinbachs Selbstbeschreibung als „Vertriebene“ beruht darauf, dass ihr Geburtsort überhaupt erst durch den Überfall auf Polen unter deutsche Verwaltung kam. Eine Fotomontage des polnischen Nachrichtenmagazins Wprost präsentierte sie in SS-Uniform auf Bundeskanzler Schröder reitend.
Am 8. Mai 2004 wurde sie mit 74 von 79 Stimmen und am 18. März 2006 mit 63 von 77 Stimmen für jeweils weitere zwei Jahre als Präsidentin des BdV wiedergewählt.
Steinbach ist seit 1972 mit Helmut Steinbach verheiratet. Sie trat aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau aus, weil sie neben anderen theologischen Inhalten mit deren Haltung zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften nicht einverstanden war[2] und wechselte in die freikirchlich organisierte Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche.
 

 

 

Struktur, aktuelle Aufgaben und Tätigkeiten des BdV

 

Rechtsform

Der Bund der Vertriebenen ist der Zusammenschluss der in 21 Landsmannschaften, 16 Landesverbänden und 4 angeschlossenen Mitgliedsorganisationen organisierten Vertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler.

Er ist der einzige repräsentative Verband der rund 15 Millionen Deutschen, die infolge Flucht, Vertreibung und Aussiedlung in der Bundesrepublik Deutschland Aufnahme gefunden haben und noch finden. Er ist ein Vereinsverband; seine Mitgliedsverbände sind ihrerseits eingetragene Vereine.

Er ist als rechtsfähiger Verein beim Amtsgericht Bonn unter VR 2841 im Vereinsregister eingetragen. Wegen der Fürsorge für Vertriebene und Aussiedler, hat das Finanzamt Bonn-Außenstadt zuletzt am 23. Juli 2003 die Gemeinnützigkeit bestätigt.

 

Organisation

Seit dem Zusammenschluss der Landsmannschaften und Landesverbände am 27. Oktober 1957 und der endgültigen Konstituierung am 14. Dezember 1958 im Schöneberger Rathaus in Berlin ist für die Struktur des Bundes der Vertriebenen die zweigleisige Organisationsform kennzeichnend. Sie basiert auf den Landsmannschaften als Vertretung ihrer Heimatgebiete und deren deutscher Bevölkerung sowie auf den Landesverbänden als Vertretung aller in einem Bundesland organisierten Vertriebenen.

Der Bund der Vertriebenen verfügt damit über ein bundesweit verzweigtes Netz an Organisationen.

 

Landsmannschaften und Landesverbände

In den 16 Landesverbänden und 21 Landsmannschaften sind rund zwei Millionen Mitglieder organisiert. Sie sind Mitglieder in den rund 6.000 regionalen Gliederungen und den über 1.000 Heimatkreisvereinigungen bzw. Heimatortsgemeinschaften.

Die Mitgliedschaft in den Landsmannschaften und Landesverbänden ist nicht auf Vertriebene beschränkt; dementsprechend befinden sich unter den Mitgliedern viele Nichtvertriebene.

Präsidium und Bundesversammlung

 

Die Bundesversammlung ist das oberste Organ des BdV. In ihr sind alle Landsmannschaften und Landesverbände sowie die anderen Mitgliedsverbände durch Delegierte vertreten. Die Bundesversammlung legt die Leitlinien der gesamten Verbandsarbeit fest.

Das Präsidium bestimmt die Verbandspolitik in Verfolgung des Satzungszwecks. Es besteht aus dem Präsidenten/der Präsidentin und sechs von der Bundesversammlung zu wählenden Vizepräsidenten und sechs weiteren Präsidialmitgliedern. Die Präsidentin des Frauenbundes im BdV und der Präsident des Bauernverbandes der Vertriebenen sind ständige Mitglieder des Präsidiums.

 

Aufgaben

Ziele und Aufgaben des Bundes der Vertriebenen bestimmen sich aus

  • der Charta der deutschen Heimatvertriebenen vom 5. August 1950
  • der Satzung
  • dem Selbstverständnis als rechtstreuer, der verfassungsmäßigen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland und dem Gemeinwohl verpflichteter Verband
  • den Erklärungen der Organe: Bundesversammlung, Bundesausschuss, Präsidium.
  •  

Interessenvertretung

Die Mitgliedsverbände sind aus den unmittelbar in der Nachkriegszeit entstandenen Hilfsstellen landsmannschaftlicher Zugehörigkeit hervorgegangen. Seit den Anfängen als Selbsthilfeverbände mit dem Ziel der Sicherung der unmittelbaren Lebensgrundlagen und der Familienzusammenführung erweiterten sich die Aufgaben um die Interessenvertretung der Vertriebenen, Flüchtlinge, Aussiedler und Spätaussiedler in allen vertriebenenspezifischen Fragen sowie um die Beratung und Betreuung dieses Personenkreises; beides völlig unabhängig von einer etwaigen Mitgliedschaft in den Verbänden.

 

Im einzelnen:

Soziale Beratung und Betreuung der Spätaussiedler

Von Beginn an bildet das Bemühen um eine rasche Eingliederung in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Bundesrepublik Deutschland und das sozialpoli-tische und caritative Engagement den eindeutigen Schwerpunkt der Tätigkeiten. Von den rund 100.000 ehrenamtlich Tätigen sind daher die meisten in der sozialen Beratung und Betreuung tätig.

 

Integrationsarbeit des BdV / Migrationserstberatung

Seit Jahrzehnten gehört die Integration von Vertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern sowie deren Familienangehörigen zu den primären Aufgaben des BdV. Nur eine gelungene Eingliederung in alle Bereiche des Gemeinwesens der Bundesrepublik Deutschland bietet die Gewähr, dass zu uns kommende Landsleute mit ihren Angehörigen ein Teil dieser Gesellschaft werden. Dafür müssen die Betroffenen selbst Integrationsbereitschaft zeigen, der Staat Integrationsförderung leisten und die Gesellschaft die Migranten akzeptieren.

 

Migrationserstberatung

Mit dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes zum 1.1.2005 wurde das fast zwei Jahrzehnte lang geförderte Bundesprojekt "Soziale Beratung und Betreuung von Aussiedlern" durch die sog. Migrationserstberatung abgelöst. Erwachsene Spätaussiedler und alle sonstigen Migranten erhalten ein verbindliches, gesetzlich verankertes, staatliches Integrationsangebot, die sogenannte Migrationserstberatung. Jugendliche Migranten finden bei den Jugendmigrationsdiensten Rat und Hilfe.

Bundesweit bestehen rund 570 sogenannte Migrationserstberatungsstellen, die Migranten während der ersten drei Jahre ihres Aufenthaltes in Deutschland aufsuchen können um in allen integrationsspezifischen Lebenslagen beraten zu werden. Ziel der Migrationerstberatung ist eine aktive Integrationsförderung, die den Migranten dazu befähigen soll, in allen ihn betreffenden Lebensbereichen selbständig und gleichberechtigt zu handeln und am gesellschaftlichen Leben zu partizipieren.

Mit 17 hauptamtlichen Migrationerstberatern in 12 Bundesländern bietet auch der Bund der Vertriebenen Migrationserstberatung für Spätaussiedler und sonstige Zuwanderer an. Auf der folgenden Seite finden Sie die BdV-Migrationserstberatungsstellen mit den Namen der Berater, den Beratungsstellen, den Beratungszeiten sowie den Möglichkeiten, Kontakte aufzunehmen.

 

Ehrenamtliche Betreuung

Der BdV verfügt über ein bundesweites Netz ehrenamtlicher Betreuer, die gerne mit Rat, Tat sowie Sachkompetenz und Erfahrung allen beratungsbedürftigen Spätaussiedlern Hilfe leisten. Die überwiegende Zahl der Betreuer kommt aus dem Kreise der Vertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler und fühlt sich dieser Aufgabe besonders verbunden und verpflichtet. Ihre Hilfe und Solidarität ist den Spätaussiedlern sicher. Durch gleiches Schicksal verbunden, entwickeln Spätaussiedler und ihre Familienangehörigen Vertrauen in diese Betreuer und treffen häufig auf sprachlich kompetente Menschen. Die Schwerpunkte der ehrenamtlichen Beratung umfassen u. a.

  • Ausfüllhilfe und Begleitung bei Behördengängen
  • Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche, Hilfe bei Bewerbung
  • Vermittlung von Möbel, Hausrat, etc.

 

Unterstützung der deutschen Minderheiten und Volksgruppen

Die Unterstützung und Hilfe der in der Heimat verbliebenen Deutschen, einschließlich der Pflege von Kontakten zu den östlichen Nachbarn auf gesellschaftlicher, administrativer und fachlicher Ebene (Stichwort "Volksdiplomatie") ist ein weiteres gewichtigtes Aufgabenfeld. Auf diesem Gebiet sind ganz besonders intensiv die ehrenamtlichen Mitarbeiter der landsmannschaftlichen Gruppierungen tätig.

 

Bewahrung kultureller Traditionen

Ein weiteres Aufgabenfeld stellt die Bewahrung der Vielfalt kultureller Traditionen und des Kulturgutes der Deutschen im Osten als Bestandteil des gesamten europäischen Erbes dar. Nach den Veränderungen in den ostmitteleuropäischen Staaten, in denen Deutsche ihre Heimat hatten bzw. haben, ist es seit vielen Jahren möglich dabei zu helfen, diese Traditionen dort wo sie entstanden sind, wieder lebendig zu machen. Auch auf diesem Gebiet sind naturgemäß die Mitglieder der landsmannschaftlichen Organisationen führend. 

 

Aufgabenerfüllung

Die oben geschilderten Aufgaben werden zum ganz überwiegenden Teil dezentral, bundesweit vor Ort von einer Vielzahl von ehrenamtlich Tätigen erfüllt. Die Nähe zu dem zu betreuenden Personenkreis ermöglicht eine schnelle und bedarfsgerechte Erledigung.
Durch die Wahrnehmung auf ehrenamtlicher Basis entfallen hohe Personalkosten für hauptamtlich Tätige und Kosten für das Vorhalten der Infrastruktur.

Der ehrenamtlichen Tätigkeit kommt im Bund der Vertriebenen eine besondere Bedeutung zu. Die ehrenamtlich Tätigen sind zum größten Teil selbst Vertriebene oder Spätaussiedler. Sie haben das Schicksal der zu Betreuenden am eigenen Leib erlebt und kennen daher auch die Schwierigkeiten und Probleme aus eigener Erfahrung. Aber auch zahlreiche Nichtvertriebene, die gar keine familiären Bezüge zu den Heimatgebieten haben, engagieren sich im Bund der Vertriebenen.

Beweggründe für das ehrenamtliche Engagement sind Solidarität mit den Schicksalsgenossen und Verantwortungsbewusstsein für die von Vertreibung und Aussiedlung betroffenen Menschen.

Die Zahl der im Bund der Vertriebenen ehrenamtlich Tätigen beträgt etwa 100.000 Frauen und Männer. Das Engagement geht quer durch alle Berufsgruppen in der Gesellschaft. In den fünf neuen Bundesländern, wo den Heimatvertriebenen über 50 Jahre lang verboten war, sich zu ihrer Kultur, Herkunft und Geschichte zu bekennen, ist das Engagement, das eigene Schicksal in Form von Ausstellungen der Öffentlichkeit nahe zu bringen, besonders hoch.

Kennzeichnend für alle, die sich engagieren, ist die Liebe zur Heimat, aus der das Verantwortungsbewusstsein für die Erhaltung des heimatlichen Kulturgutes resultiert. Das Bestreben, dieses Kulturgut im Bewusstsein des gesamten deutschen Volkes zu erhalten, ist ein Hauptanliegen des Bundes der Vertriebenen.

 

Pflege von Kontakten zu den östlichen Nachbarn-Unterstützung der in der Heimat verbliebenen Deutschen

Die Mitgliedsorganisationen, darunter ganz besonders intensiv die landsmannschaftlichen Gruppierungen, leisten Erhebliches in der Zusammenarbeit mit den deutschen Volksgruppen und Minderheiten.

Die Spendenbereitschaft der Vertriebenen für ihre Heimat ist sehr groß. So haben z.B. unzählige Sudetendeutsche die Kirchen ihrer Heimatgemeinde aus eigenen Mitteln restauriert.

Seit dem Beginn der 90er Jahre steht nicht mehr nur das caritative Element im Vor-dergrund, sondern die Vermittlung von Know-How auf allen Gebieten, die für eine erfolgreiche Arbeit der Volksgruppen und Minderheiten wichtig sind.

Dazu gehören soziale und gemeinschaftsfördernde, wirtschaftliche, bildungspolitische und investive Maßnahmen. Bei allem ist die Zusammenarbeit mit den örtlichen Vertretern der Nachbarn unerlässlich.

In der Republik Polen hat der Bund der Vertriebenen 1999 rund 600 soziale und gemeinschaftsfördernde Projekte durchgeführt. Dabei wurden unter dem Gesichtspunkt der Hilfe zur Selbsthilfe über 500 Gruppen des Verbandes der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in der Republik Polen (VdG), des Bundes der Jugend der deutschen Minderheit in Polen aber auch andere Organisationen wie z.B. der Schlesische Bauernverband und die Handwerkskammer Schlesien unterstützt.

Bei den Maßnahmen handelt es sich z.B. um:

  • Unterstützung bei Auf- und Ausbau und der Unterhaltung von kleineren Begegnungsstätten, Ausstattung mit bürotechnischen Geräten, audiovisuellen Medien, Auf- und Ausbau von Bibliotheken
  • berufsspezifische Bildungsmaßnahmen sowie Seminare für Handwerker und Mittelständler vor Ort und in der Bundesrepublik Deutschland
  • Vermittlung von Praktikantenstellen, Messebesuchen für kleinere und mittelständische Unternehmen
  • gemeinschaftsfördernde Begegnungsveranstaltungen
  • soziale Maßnahmen wie z.B. Seniorenausflüge und Ferienfreizeiten.

Diese auf kommunaler und regionaler Ebene von den Verbänden vor Ort durchgeführten Maßnahmen finden auch bei den polnischen Bürgermeistern oder in Gemeinden mit überwiegend polnischer Bevölkerung große Zustimmung.
An den Maßnahmen in der Republik Polen nehmen im Durchschnitt jährlich 90.000 Menschen teil.

Jährlich finden Koordinierungstreffen mit den Mitgliedsverbänden des BdV statt. Zum einen um Doppelarbeit zu vermeiden, zum anderen um Anregungen aus anderen Bereichen zu erhalten und zu geben.

 

Bewahrung der Kultur der Deutschen im Osten-Grenzüberschreitende Kulturarbeit

Von Anfang an hat sich der Bund der Vertriebenen bei der Förderung der Kulturarbeit nach § 96 BVFG auf Maßnahmen von überregionaler Bedeutung beschränkt und einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit in der inhaltlichen Koordination und der dafür notwendigen Bildungsarbeit gesehen.

Den Mitgliedsverbänden obliegt die Pflege des kulturellen Erbes unter regionalen Gesichtspunkten. Zu diesem Zweck unterhalten sie auch wissenschaftliche und künstlerische Einrichtungen sowie Museen.

Im Vordergrund steht aber die kulturelle Breitenarbeit einschließlich der heimat- und landeskundlichen Arbeit. Nur wenige hauptamtliche Kräfte stehen hier zur Verfügung. Die Hauptarbeit wird von ehrenamtlich Tätigen geleistet. Sie wenden als Leiter vor Chören, Musik-, Volkstanz-, Trachten- und Theatergruppen, von Heimatstuben, Heimatmuseen und Heimatarchiven und als Veranstalter von Seminaren einen erheblichen Teil ihrer Freizeit dafür auf.

Hinzu kommen die zahlreichen Begegnungsmaßnahmen im Zuge der grenzüberschreitenden Kulturarbeit in den einzelnen Heimatgebieten. Sie sind der Beitrag des Bundes der Vertriebenen zur Wiederbelebung, Erhaltung und Weiterentwicklung des deutschen kulturellen Erbes der deutschen Minderheiten und Volksgruppen und zum Dialog zwischen den in der Heimat verbliebenen Deutschen, den nichtdeutschen Nachbarn und den Vertriebenen selber.

Die Vertriebenenorganisationen und die Organisationen der deutschen Volksgruppen und Minderheiten führen unzählige kulturelle Veranstaltungen in Polen, Rumänien, Ungarn, der Slowakei und der Tschechischen Republik durch.

Das Spektrum der Maßnahmen reicht vom kleinen kulturellen Sommerfest des deut-schen Vereins vor Ort über Vortragsreisen bis zu überregionalen Kultur-Festivals, bei denen auch die einheimische Bevölkerung angesprochen und beteiligt wird. Durch diese gemeinsamen Veranstaltungen wächst die gegenseitige Akzeptanz und eröffnet der deutschen Volksgruppe eine positive Perspektive für ihre weitere Existenz.

 

Bundesinteresse

An der Erfüllung dieser Aufgaben besteht ein Bundesinteresse.

  • Die Integration der Aussiedler / Spätaussiedler und Migranten
  • die soziale und kulturelle Unterstützung der deutschen Volksgruppen und Minderheiten
  • die Verständigung und Zusammenarbeit mit den Nachbarvölkern
  • die Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge als Teil des deutschen und europäischen Erbes

sind aktuelle Aufgaben des staatlichen Gemeinwesens, zu deren Erfüllung sich die Bundesregierung auch der Einrichtungen der Vertriebenenverbände bedient. Ihre Wahrnehmung dient dem Gemeinwohl. Unbestritten haben die Vertriebenen und ihre Verbände ganz entscheidend zum Aufbau der Bundesrepublik Deutschland und ihres freiheitlichen Gemeinwesens beigetragen.

Der Einsatz der Vertriebenen und ihrer Verbände für Frieden, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Völkerverständigung wurde wiederholt gewürdigt.

Der Bund der Vertriebenen nimmt die Interessen der von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung betroffenen Bevölkerungsgruppe, unabhängig von einer Mitgliedschaft, im Ganzen wahr.

 

Gesetzliche Grundlagen dieser Aufgaben:

Der Gesetzgeber hat dem Bund der Vertriebenen in § 95 BVFG die unentgeltliche Beratung von Vertriebenen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern gestattet.

§ 95 BVFG lautet:

"(1) Organisationen der Vertriebenen, Flüchtlinge und Spätaussiedler, deren Zweck nicht auf wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist, dürfen Vertriebene, Flücht-linge und Spätaussiedler im Rahmen ihres Aufgabengebietes in Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsfragen unentgeltlich beraten. Sie bedürfen hierzu keiner besonderen Er-laubnis. Diese Tätigkeit kann ihnen im Falle missbräuchlicher Ausübung untersagt werden. Das Nähere bestimmt die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates."

Das erlaubnisfreie Beratungsrecht der Vertriebenenverbände ist allein daran gebunden, dass ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb nicht besteht. Dies wird beachtet.

§ 96 BVFG verpflichtet Bund und Länder, das Kulturgut der Vertreibungsgebiete im Bewusstsein der Vertriebenen, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten. Die Mitgliedsverbände des Bundes der Vertriebenen und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter nehmen ihre Aufgaben mit großer fachlicher Kompetenz wahr. Diese Kompetenz wird allgemein anerkannt.

In den nach § 22 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) gebildeten Beirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, der die Aufgabe hat, die Bundesregierung in diesen Fragen zu beraten, entsenden die Vertriebenenverbände gemäß § 23 Abs. 1 BVFG allein sechzehn Vertreter. Auch auf Landes- und Kommunalebene bestehen Vertriebenenbeiräte, in denen die Sach- und Fachkompetenz der Vertriebenen gefragt ist.