Die deutschen Vermögensverluste in den Vertreibungsgebieten


Die deutschen Vermögensverluste in den Vertreibungsgebieten wurden schon 1974, also vor 25 Jahren, unter Zugrundelegung der Verkehrswerte von 1945 auf rund 355 Mrd. DM geschätzt, davon rund 300
Mrd. DM Privatvermögen. Im Werten von 1999 wären dies 710 bzw. 600 Mrd. DM
Davon entfielen auf die Oder-Neiße-Gebiete ohne das Königsberger Gebiet, auf Danzig und auf Polen in seinen Vorkriegsgrenzen zusammen rund 180 Mrd. DM deutsche Privatvermögensverluste und rund 35 Mrd. DM Verluste an deutschem öffentlichen Vermögen, also Reichsvermögen, preußisches Staatsvermögen etc. - Alles in fortgeschriebenen fiktiven Werten von 1974.

Als entsprechende Werte für die Tschechoslowakei wurden errechnet rund 72 Mrd. DM Privat- und 13 Mrd. DM öffentliche Vermögensverluste.

Um einen Vergleichsmaßstab zu haben, sei darauf hingewiesen, daß der Verkehrswert (1945) der polnischen Privatvermögensverluste in den 1939 bzw. 1945 von der UdSSR annektierten, heute weißrussischen bzw. ukrainischen Gebieten mit rund 8 Mrd. DM beziffert wurde, was weniger als einem Neuntel der privaten deutschen Vermögensverluste in den an Polen gefallenen Gebieten (75 Mrd. DM n.W.v. 1945) entsprach.

Auf die Verluste öffentlichen Vermögens und ihr Ausmaß sei ausdrücklich hingewiesen, weil alleine sie um ein Vielfaches die Forderungsbeträge übertreffen, die in letzter Zeit wieder von östlichen Geschädigtengruppen, etwa polnischen Zwangsarbeitern genannt wurden. Dies gilt selbst dann, wenn man die enormen sinnlosen Zerstörungen, Konfiskationen und Demontagen durch die Rote Armee 1945 berücksichtigt.

Es würde jetzt genügen und es hätte schon seit Jahren genügt, allfällige Forderungen Geschädigter aus dem konfiszierten öffentlichen deutschen Vermögen zu befriedigen, ohne das völkerrechtswidrig entzogene deutsche Privatvermögen anzutasten oder mit immer neuen Forderungen an die Bundesrepublik Deutschland heranzutreten - was natürlich bequemer war und sich gelohnt hat: Allein in den Jahren 1991 bis 1997 wurden 1,8 Mrd. DM größtenteils globalisierter Entschädigungszahlungen an östliche Staaten geleistet, ohne daß die deutsche Seite auf die Verteilung nennenswerten Einfluß gehabt hätte. In Rußland und Polen gab es teilweise erhebliche Unregelmäßigkeiten.

Es sei darauf hingewiesen, daß es auch deutsche Zwangsarbeiter in den östlichen Staaten gab, von denen Hunderttausende nicht überlebt haben, und zwar nicht nur als verschleppte "lebende Reparationen" in der UdSSR, sondern auch in den einzelnen Vertreibungsgebieten, so in den Ostgebieten und im Sudetenland.

Von der deutschen Zivilbevölkerung - ohne Rußlanddeutsche - wurden 730.000 Personen nach der Sowjetunion verschleppt bzw. zwangsrepatriiert. Von diesen waren 1950 270.000 (37,0 %) tot und 460.000 (63,0 %) noch am Leben, über 13 Mio. Personen, darunter 510.000 sogenannte Vertragsumsiedler, wurden den Vertreibungsmaßnahmen unterworfen, von denen fanden den Tod 1.440.000 (10,9 %).

14.006.000 Personen insgesamt wurden von Verschleppungs- oder Vertreibungsmaßnahmen betroffen, denen 1.710.000 (12,2 %) zum Opfer gefallen sind.

Die Rußlanddeutschen sind von Verschleppungsaktionen ungewöhnlichsten Außmaßes betroffen worden: 700.000 wurden 1941 bis 1944 aus ihren europäischen Siedlungsgebieten nach dem asiatischen Teil der Sowjetunion zwangsumgesiedelt und zumeist zur Zwangsarbeit in der sogenannten "Trud-Armee" gepreßt. 280.000 Administrativumsiedler in westlichen Gebieten wurden nach der Sowjetunion zwangsrepatriiert, 310.000 von insgesamt 980.000 Verschleppten starben auf den Transporten oder am Verbannungsort (31,6 %), 90.000 entgingen der Zwangsrepatriierung durch Flucht oder durch Untertauchen.

Die Gesamtzahl der verschleppten oder vertriebenen Deutschen beläuft sich somit auf 15.076.000. Die Verluste sind insgesamt auf wenigstens 2.020.000 Menschenleben zu beziffern (13,4 %). Andere nachvollziehbare Schätzungen gehen von bis zu 2,8 Millionen deutschen Vertreibungs- und Verschleppungsopfern aus.


Deutsche Zivilbevölkerung aus den Oder-Neiße-Gebieten, Polen (Grenzen von 1939) und der Freien Stadt Danzig als Zwangsarbeiter im Vertreibungsgebiet sowie in der UdSSR

Bei Ende der militärischen Kampfhandlungen im Mai 1945 lebten in den Oder-Neiße-Gebieten rd. 9,3 Mio., in Polen (Grenzen von 1939) rd. 1,3 Mio. (darunter rd. 400.000 als "repolonisierungsfähig" angesehene sogenannte "Autochthone") sowie in der ehemaligen Freien Stadt Danzig 370.000 Deutsche . Im gesamten nachmaligen polnischen Machtbereich also 10.955 Mio. Deutsche. Ferner lebten in dem Gebiet bei Kriegsende rd. 650.000 deutsche Umsiedler aus dem Baltikum, der UdSSR und aus Südosteuropa . Von März bis Ende April 1945 wurden zur Zwangsarbeit in die UdSSR verschleppt aus:
Oder-Neiße-Gebieten 350.000
Polen 166.000
Danzig 10.000
deutsche Zivilisten beiderlei Geschlechts im Alter von 16 bis 60 Jahren

Die Todesquote aller insgesamt aus Ostmitteleuropa in die UdSSR zur Zwangsarbeit deportierten 730.000 Deutschen (ohne zwangsrepatriierte Rußlanddeutsche) betrug 37 %. Bezogen auf die aus dem polnischen Machtbereich im März/April 1945 verschleppten 526.000 deutschen Zivilisten ist also von rd. 185.000 Todesopfern auszugehen. Trotz Abgangs durch Tod oder Entlassung lebten 1950 noch 132.000 Deutsche als Zwangsarbeiter größtenteils in der transuralischen UdSSR .

Zur Zwangsarbeit wurden auch die im Vertreibungsgebiet verbliebenen und nicht vor den Kampfhandlungen geflüchteten Deutschen regelmäßig in der gesamten Zeit bis zu ihrer Ausweisung, die erst 1948 zum Abschluß kam, eingesetzt. Die wenige Wochen nach Einmarsch der Roten Armee eingerichteten polnischen Zwangsverwaltungen führten umgehend unbedingten Arbeitszwang ein . Die Deutschen wurden u.a. eingesetzt zu Aufräumungsarbeiten, zum Abbruch niedergebrannter oder zerstörter Häuser und Wohnviertel, zur Instandsetzung der Industrien. Vor allem für alle Arbeiten in der Landwirtschaft zog man die Deutschen heran. Es kam vor, daß ein Teil der deutschen Einwohner aus den Städten zu Kolonnen zusammengefaßt und zu landwirtschaftlichen Arbeiten abkommandiert wurde. Die Verpflegung war dabei im allgemeinen schlechter als bei den entsprechenden Aktionen der Sowjets. Kommandos der polnischen Miliz durchzogen die Dörfer und trieben Arbeitskolonnen von Deutschen zusammen. In den Städten sind die deutschen Einwohner, sobald sie zu einer Arbeit benötigt wurden, auf offener Straße aufgegriffen und unter bewaffneter Aufsicht zum Arbeitseinsatz geführt worden. Besonders streng war der Arbeitszwang in Oberschlesien. Er führte hier zur Einrichtung von regelrechten Arbeitslagern, die jedoch meist nur einige Wochen oder Monate bestanden. Da die Zwangsarbeit nur eine völlig unzureichende Verpflegung einbrachte und die Deutschen ohne geldliche Entlohnung die geforderten hohen Zloty-Preise nicht aufbringen konnten, dauerte die bereits unter russischer Besatzung herrschende akute Hungersnot auch unter polnischer Verwaltung an .

Die Zahl der in Polen und den Oder-Neiße-Gebieten eingesetzten deutschen Zwangsarbeiter ist nicht exakt zu beziffern, doch ist davon auszugehen, daß der Großteil der zum Zeitpunkt der Übergabe der Gebiete von den Sowjets an polnische Stellen noch anwesenden rd. 6 Mio. Menschen über verschieden lange Zeiträume in der einen oder anderen Form entsprechend eingesetzt wurde. Von den weder geflüchteten noch verschleppten Deutschen im polnischen Machtbereich fanden 1945 und in den folgende Jahren rd. 900.000 den Tod , davon mindestens 200.000 als Opfer unmittelbarer Gewalt durch Mord und Totschlag . In den insgesamt 1.255 polnischen Sammel- und Zwangsarbeitslagern und 227 Gefängnissen, die über unterschiedlich lange Zeit bestanden, waren "Todesquoten" von 20-50 % die Regel .

Allein in dem obwohl nicht größten, aber bekanntesten Lager Lamsdorf im oberschlesischen Kreis Falkenberg kamen 6.484 von rd. 8.000 Internierten um . Im "Zentralen Arbeitslager" im westpreußischen Potulitz kamen zwischen 1945 und 1949 von 37.000 deutschen Zivilinternierten 12.000 ums Leben .